Kein Leben ohne Handwerk

Startschuss für Imagekampagne des deutschen Handwerks

Im Januar 2010 – Wie sähe unser Leben ohne das Handwerk aus? Diese Frage beantwortet ein außergewöhnlicherTV-Spot. Er wird ab Samstag, den 16. Januar um 20:14 Uhr im Fernsehen ausgestrahlt. Der Spot ist Auftakt einer bundesweiten und auf fünf Jahre angelegten Imagekampagne des Handwerks. Der Deutsche Handwerkskammertag (DHKT), Dachverband der 53 Handwerkskammern, hat die Kampagne ins Leben gerufen. 

Ziel der Kommunikationsoffensive ist es, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Handwerks zu verdeutlichen und Jugendliche für eine Ausbildung dort zu begeistern. Der Claim „Das Handwerk. Die Wirtschaftsmacht. Von nebenan.“ thematisiert Größe, Innovationskraft, Vielfalt und Lebensnähe des Handwerks.

Eine Forsa-Umfrage ergab, dass die Bedeutung des Handwerks in der Gesellschaft, besonders unter Jugendlichen, unterschätzt wird. Dabei ist das Handwerk mit 4,8 Millionen Beschäftigten und rund 500 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft. „Mit der Kampagne wollen wir dem Handwerk zu dem Image verhelfen, das es angesichts seiner Modernität und Innovationskraft verdient. Wir wollen vor allem Jugendliche begeistern, damit sie sich vermehrt für eines der 151 Ausbildungsberufe des Handwerks entscheiden,“ das steht für die Macher der Kampagne fest.

Bundesweite Plakat- und Anzeigenschaltungen und ein Webauftritt auf www.handwerk.de flankieren die Ausstrahlung des TV-Spots. Alle Handwerksbetriebe Deutschlands sind als Botschafter der Kampagne mit Werbemitteln ausgestattet. Das Budget der Kampagne beläuft sich auf 10 Millionen Euro jährlich.

Was wäre das Leben ohne das Handwerk?

Am 16. Januar 2010 konnten die Fernsehzuschauer erstmals den offiziellen Werbespot zur Imagekampagne des deutschen Handwerks imTV sehen. Mit starken, teilweise drastischen Bildern wird gezeigt: Wie sähe unser Leben aus, wenn wir auf die Leistungen der rund fünf Millionen Handwerker verzichten müssten, auf Wohnen, gesundes Essen, Gesundheit, aber auch Mobilität, Energie, Umwelt und Kultur? Am Ende steht fest: Unsere Zivilisation wäre ohne Handwerk undenkbar. Das Handwerk macht das Leben, das wir führen, erst möglich. Das belegen auch handfeste Zahlen, wobei die beispielhaft aufgeführten Gewerke nur für die insgesamt 151 Ausbildungsberufe des Handwerks insgesamt stehen: Ohne Handwerk kein Dach über dem Kopf.

In Deutschland gibt es laut Statistischem Bundesamt rund 19 Millionen Gebäude, davon sind 17,3 Millionen Wohngebäude: Sie alle wurden natürlich mit der Hilfe von Handwerkern gebaut. Mit anderen Worten: Deutschland wäre ohne das Handwerk eine trostlose Brache – und die mehr als 81 Millionen Einwohner des Landes blieben ohne ein warmes und trockenes Zuhause. Mehr als 35 handwerkliche Berufsbilder allein im Bereich Bau und Ausbau – vom Maurer über den Maler bis zum Dachdecker und Zimmerer – sorgen dafür, dass neue Häuser gebaut und alte nach den neuesten Standards in Schuss gebracht werden.

Dabei redet alles über energetische Gebäudesanierung, Umweltschutz am Bau und CO2-Einsparung – ebenfalls undenkbar ohne das Handwerk. Die gesamte Energietechnik, Alarmanlagen etc. werden vom Handwerk eingebaut, gewartet und erneuert. Und dass die Zeit vorbei ist, in der das Wasser vom Brunnen geholt wurde, ist selbstverständlich ebenfalls dem Handwerk zu verdanken.

Das tägliche Brot und mehr

In Deutschland können wir aus mehr als 300 Sorten Brot und rund 1.200 Sorten Gebäck wählen – unser wichtigstes Grundnahrungsmittel gibt es in einer Vielfalt wie nirgends sonst auf der Welt. Die mehr als 16.000 handwerklichen Bäckereien und über 3.000 Konditoreien in unserem Land machen dieses reichhaltige Angebot möglich und verarbeiten dabei jährlich über sechs Millionen Tonnen Mehl. Hinzu kommen rund 27.000 Betriebe bzw. Filialen im Fleischerhandwerk, die uns beispielsweise mit fast 1,5 MillionenTonnen Würsten im Jahr versorgen. Ohne das Handwerk würde uns also nicht nur das Brot fehlen, sondern auch die Wurst auf der Stulle. Alles in allem arbeiten Handwerker in acht Berufen, die nicht umsonst nach dem benannt sind, was sie schaffen: Lebens-Mittel!

Das wertvollste Gut: die eigene Gesundheit

Rund 39 Millionen Deutsche tragen eine Brille, die ihnen hilft, sich im Leben zurechtzufinden. Dass sie scharf sehen – und dabei gut aussehen – können, dafür sorgen in der Bundesrepublik fast 45.000 Optiker. In mehr als 10.000 Fachgeschäften stehen sie für alle Fragen rund um die Brille bereit und verschaffen ihren Kunden mit jährlich 34 Millionen Brillengläsern klare Sicht.

Für den richtigenTon sorgen in Deutschland rund 10.500 Hörgeräteakustiker: Sie fertigen jährlich über drei Millionen – meist unsichtbare – Hörsysteme, die der wachsenden Gruppe der Menschen mit Hörminderungen ermöglichen, ihren Alltag leichter und besser zu bestreiten.

In der Orthopädietechnik helfen mehr als 36.000 Mitarbeiter mit Einlagen, Prothesen und weiteren Produkten vielen Menschen, trotz Krankheit, Behinderung oder Alter ihr Leben zu meistern. Und die Aufzählung ließe sich fortsetzen, denn auch chirurgische Geräte in hoher Präzision kommen aus dem Handwerk. Dahinter stehen Menschen, die sich ihrer Verantwortung für das wertvollste Gut ihrer Kunden bewusst sind: ihre Gesundheit.

Mobilität: mehr als nur von A nach B

Deutschland ist ein Land der Autofahrer. Mit rund 50 Millionen Kraftfahrzeugen bewegen sich die Bundesbürger von A nach B. Dass sie dort ankommen, dafür sorgen auch die 460.000 Beschäftigten in den 40.000 Kfz-Werkstätten. Sie halten die Autos in Ordnung, sorgen für Sicherheit und möglichst geringen Schadstoffausstoß.

Übertroffen wird die Zahl der Autofahrer noch von der der Radfahrer. Denn 80 Prozent der Haus- halte verfügen über mindestens einen Drahtesel. So gibt es mehr als 70 Millionen Räder, die ohne die kompetente Hilfe der Zweiradmechaniker nicht recht vorankommen würden. Mit Fußgängern teilen sich Auto- und Radfahrer zudem ein Straßennetz von 240.000 km Länge. Gebaut, gepflegt und repariert werden die Verkehrsadern von Profis aus dem Handwerk, genauer gesagt von Straßenbauern.

Das gute Aussehen und die Kultur

Doch wir wollen nicht nur bequem leben und uns komfortabel und sicher fortbewegen. Das Leben ist mehr als Versorgung, Essen, Wärme, Sicherheit. Lebenswert wird es durch Stil, Geschmack, Kultur – wir wollen schließlich auch gut aussehen. Auch dafür gibt es Spezialisten im Handwerk. In Deutschland laden beispielsweise 73.000 Friseursalons zu einem Besuch ein – und jeder Deutsche nimmt dieses Angebot statistisch betrachtet 5,75 Mal im Jahr in Anspruch.

Auch wenn es nur wenige Menschen regelmäßig zum Maßschneider führt – wenn die Mäntel, Kleider, Hosen, Jacken nicht so passen, wie sie sollen, hilft der Änderungsschneider. 16.000 Fach- betriebe sorgen in Deutschland für guten Sitz in Kleidungsfragen. Für die Schuhe ist wiederum ein anderer Spezialist gefragt. Dank der 3.400 handwerklichen Schuhmacherbetriebe sind eine durch- gelaufene Sohle oder ein abgebrochener Absatz noch lange kein Grund, barfuß gehen zu müssen.

Starke Emotionen sind mit demThema Schmuck verbunden, die wichtigsten Ereignisse und schönsten Erinnerungen wie Verlobungen, Hochzeiten, Geburten und Geburtstage haben mit Schmuck zu tun. Über 5.000 Gold- und Silberschmiede in Deutschland fertigen dafür Schmuckstücke höchster Güte. So entstehen etwa die Eheringe für die circa 370.000Trauungen, die jährlich in Deutschland stattfinden.

Und eine Welt ohne Musik und Unterhaltung? Unvorstellbar. Über elf Millionen Menschen in Deutschland machen selbst Musik und spielen in ihrer Freizeit ein Instrument, viele von ihnen in einem der fast 30.000 Orchester oder in einer eigenen Band. Die dafür benötigten Instrumente werden von über 4.000 Handwerkern gefertigt – natürlich ebenfalls mit höchster Präzision. Daran hängt mehr als die eine oder andere schöne Stunde. Es geht um ein Stück unserer Kultur, ganz genauso wie an der Literatur und der Zeitungslektüre – die ohne Drucker nicht denkbar wäre.

Nebenbei den Klimawandel stoppen

Gebäudeenergieberater, Schornsteinfeger, Elektrotechniker oder Installateure und Heizungsbauer: Handwerker sorgenTag fürTag dafür, dass wir weniger Energie verbrauchen, Geld einsparen und den CO2-Ausstoß verringern. Mit Einbau und Nutzung erneuerbarer Energien und der Umsetzung dezentraler Energieversorgung tragen Handwerker aktiv zum Klimaschutz bei. Allein in den ersten drei Quartalen des Jahres 2009 wurden 350.000 Wohneinheiten durch Handwerker energetisch saniert. Das vermeidet jährlich einen CO2-Ausstoß in Höhe von einer MillionTonnen. Zudem installierten Handwerker 2008 etwa 210.000 Solarthermie-Anlagen – mit einer Ersparnis von 1,2 Millionen Tonnen CO2.

Das Handwerk: allgegenwärtig

Bereits die wenigen Beispiele zeigen: Das Handwerk spielt in nahezu allen Lebensbereichen eine große Rolle. Selbst in unseren tragischen und traurigen Momenten, wenn auf ganz andere Weise Menschen mit Einfühlungsvermögen, Verantwortungsbewusstsein und Empathie gebraucht werden, hilft uns das Handwerk. In 840.000 Sterbefällen in jedem Jahr begleiten uns die Bestatter in Würde und schaffen einen pietätvollen Rahmen für die Beerdigung.Tischler sorgen für die Särge, während 20.000 Steinmetze kunstvoll jene Grabsteine fertigen, die an die Verstorbenen erinnern.

Handwerk: für die Zukunft zuständig

Weil es so eng und so breit mit unser aller Leben verflochten ist, ist das Handwerk der stabilste Wirtschaftsbereich von allen. Jungen Menschen bietet das Handwerk gute Zukunftsaussichten – und Perspektiven, die weiterführender sind, als viele denken. Viele Handwerksberufe können mit akademischen Studiengängen verknüpft werden – ja einige Studiengänge, wie zum Beispiel Architektur, sind ohne handwerkliche Ausbildung gar nicht denkbar.

Der Wirtschaftszweig gibt 480.000 Jugendlichen Jahr für Jahr eine individuelle Karriereperspektive – mit einem Ausbildungsplatz im Handwerk. In ihrem späteren Beruf werden die jungen Menschen in die Fußstapfen heutiger Handwerker treten und dafür sorgen, dass unser Leben auch zukünftig lebenswert bleibt.

Medien- und Textquelle: www.handwerk.de